[Buchbesprechung] George Saunders – Lincoln in the bardo

Hallo ihr Lieben,

gestern Abend wurde der Man Booker Prize for Fiction vergeben. In der Montagsfrage hatte ich ja schon vermutet, dass der Preis an einem Mann gehen würde und ich hatte Recht. George Saunders ist mit „Lincoln in the bardo“ der Preisträger 2017. Das Buch habe ich bereits gelesen und möchte es euch nun heute in Form einer Besprechung vorstellen.

 

Klappentext von der Verlagsseite:

The American Civil War rages while President Lincoln’s beloved eleven-year-old son lies gravely ill. In a matter of days, Willie dies and is laid to rest in a Georgetown cemetery. Newspapers report that a grief-stricken Lincoln returns to the crypt several times alone to hold his boy’s body.

From this seed of historical truth, George Saunders spins an unforgettable story of familial love and loss that breaks free of realism, entering a thrilling, supernatural domain both hilarious and terrifying. Willie Lincoln finds himself trapped in a transitional realm – called, in Tibetan tradition, the bardo – and as ghosts mingle, squabble, gripe and commiserate, and stony tendrils creep towards the boy, a monumental struggle erupts over young Willie’s soul.

Unfolding over a single night, Lincoln in the Bardo is written with George Saunders‘ inimitable humour, pathos and grace. Here he invents an exhilarating new form, and is confirmed as one of the most important and influential writers of his generation. Deploying a theatrical, kaleidoscopic panoply of voices – living and dead, historical and fictional – Lincoln in the Bardo poses a timeless question.

Autoreninfo von der Verlagsseite:

George Saunders is the author of nine books, including the No. 1 New York Times bestselling novel Lincoln in the Bardo and the short story collection Tenth of December, which was a finalist for the National Book Award, won the inaugural Folio Prize (for the best work of fiction in English) and the Story Prize (best short-story collection). He has received MacArthur and Guggen­heim fellowships and the PEN/Malamud Prize for excellence in the short story, and was recently elected to the American Academy of Arts and Sciences. In 2013, he was named one of the world’s 100 most influential people by Time magazine. He teaches in the creative writing program at Syracuse University.

Buchtrailer:

Erster Satz:

On our wedding day I was forty-six, she was eighteen.

Meinung:

George Saunders „Lincoln in the bardo“ ist anders als die von mir gewohnten Romane. Er schreibt klar und strukturiert, was auch ein Genuss ist. Es ist verständlich und in vielen Stellen auch melodisch.
Dennoch hat es mich überrascht, das keine wörtliche Rede vorkommt. Kenntlich gemacht, wer spricht, wird nicht durch die von mir geliebten Anführungszeichen, sondern durch die Namensnennung am Ende des Satzes. Somit hat „Lincoln in the bardo“ den Stil eines Theaterstücks.

Aber nicht nur dies ist ungewöhnlich, sondern auch die &-Zeichen, die immer wieder anstatt das ausgeschriebene Wort vorkommen. So etwas irritiert mich und ich werte es unter künstlerische Freiheit.
Ein stückweit überlege ich mir immer noch wohin die künstlerische Leistung von George Saunders liegt, denn ein Buch soll nicht nur kurios aufgemacht sein, sondern auch für mich in meinen Augen einen Mehrwert haben. Worauf ich hinaus will ist, dass neben den Theaterstückelementen, noch viele Zitate angefügt werden, die ganze Kapitel ausmachen und damit den Großteil der Handlung ausmachen. So hatte stellenweise, das Gefühl, eine wissenschaftliche Biographie zu lesen, anstatt einen Roman.

So hat „Lincoln in the bardo“ für mich keine richtige Gattungszuordnung. Er ist etwas Theaterstück, dann Sachbuch, wobei es wirklich eine Aneinanderreihung der Zitate ist.
Die literarische Leistung von George Saunders sehe ich im Theaterstückelement, welches wirklich gelungen ist. Darin beschreibt er die Zwischenwelt, der Übergang zwischen Leben und Tod. Dieser Teil ist melodisch und man erlebt mit wie William Lincoln, der Sohn von Abraham Lincoln, in die Zwischenwelt übergeht. Dieser Teil ist tiefsinnig und auch traurig, wenn die Geister von ihrem früheren Leben und dann von ihrem Leben in der Zwischenwelt erzählen, und weshalb sie noch nicht in die andere Welt übergegangen sind.  Ich musste öfters schlucken. Das waren dann die Moment, in denen mich das Buch überzeugt hat. Tja, und dann kam wieder ein Wechsel.

Die beiden Stilelemente wechseln sich immer ab. Wenn man gerade glaubt, noch eine Weile in der Zwischenwelt verbleiben zu können und Williams weiteren Weg mit Rückblicken auf sein junges kurzes Leben zu verfolgen, wechselt schon wieder der Stil. Dann wird es wieder sachlich und ich erfahre, wie Abraham Lincoln mit dem Tod seines geliebten Sohnes umgeht und trauert. Das wird leider durch den Sachbuchstil sehr distanziert geschrieben und hat mich zwar neugierig gemacht und ich habe es auch sehr interessiert gelesen, aber es hat mich nicht so mitgenommen auf die literarische Reise wie die Zeit in der Zwischenwelt.

Zusammengenommen liegt in meinen Augen, die literarische Leistung in der Verknüpfung von zwei Gattungselementen zu einem Roman. Wer sich auf abrupte Wechsel einstellen kann und dies auch mag, sich ebenso für Abraham Lincoln interessiert, demjenigen kann ich das Buch empfehlen. Wer glaubt einen Roman zu lesen, der im Erzählstil gehalten ist, dem muss ich allerdings abraten das Buch zu erwerben, denn dann folgt eine Enttäuschung.

Fazit

Enttäuscht hat mich „Lincoln in the bardo“  nicht, aber es hat mich auch nicht so beeindruckt, wie ich es erwartet hätte, wenn es für einen so wichtigen Literaturpreis nominiert wird und ihn schließlich auch bekommt.

Bibliografische Angaben:

Autor: Saunders, George Übersetzer: Titel: Lincoln in the bardo Originaltitel: Lincoln in the bardo Reihe:Seiten: 368 ISBN: 978-1-408-87174-4 Preis:  £17,09 (Hardcover) Erschienen: 09.03.2017 bei Bloomsbury Publishing

Bewertung:
 

 

Eure

Kerstin

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In 365 Büchern durch das Jahr 2017 – Tag 206 – Wir beide, irgendwann

Ein Buch, in dem Soziale Medien eine Rolle spielen

Wir beide, irgendwann von Jay Asher

Klappentext von der Verlagsseite:

Was wäre wenn …, ich dich heute küsse?

Im Mai 1996 bekommt die 16-jährige Emma ihren ersten Computer geschenkt. Mithilfe ihres besten Freunds Josh loggt sie sich ein und gelangt zufällig auf ihre eigene Facebook-Seite – 15 Jahre später. Geschockt stellt sie fest, dass sie mit 31 Jahren arbeitslos und unglücklich verheiratet sein wird. Josh hingegen, bislang alles andere als ein Frauenheld (der erst kürzlich von Emma einen Korb bekommen hat), wird das hübscheste Mädchen der ganzen Schule heiraten und zudem seinen Traumjob ergattern. Emma ist jedoch nicht gewillt, sehenden Auges in ihr Unglück zu laufen. Um das Zusammentreffen mit dem Jungen zu verhindern, der sie später mal unglücklich machen wird, beginnt sie, bewusste Änderungen in der Gegenwart herbeizuführen. Doch der Versuch, in ihr Schicksal einzugreifen und dadurch ihr künftiges Facebook-Profil zu verändern, setzt eine fatale Kettenreaktion in Gang …

In „Wir beide, irgendwann“ von Jay Asher und Carolyn Mackler spielt Facebook eine Rolle.

Bibliografische Angaben:

Autor: Asher, Jay; Mackler, Carolyn Übersetzer: Krüger, KnutTitel:  Wir beide, irgendwann  Originaltitel: The future of us Reihe: —  Seiten: 400  ISBN: 978-3-570-30938-4 Preis: 9,99€ (Taschenbuch) Erschienen: 17.11.2014 bei cbt