[Blogspecial Paris] Backgroundinfo zu „Die Tänzerin von Paris“ – James Joyce, Samuel Beckett und Carl Gustav Jung

Blogspecial Paris

Hallo ihr Lieben,
heute geht es weiter mit „Die Tänzerin von Paris“ von Annabel Abbs. Die Buchbesprechung dazu findet ihr bei Anya von Bücher in meiner Hand. Bei mir gibt es dafür wieder die Backgroundinfos.  Im Leben von Lucia Joyce spielen drei Männer eine große Bedeutung und ihr Leben und Werk möchte ich euch heute etwas näher bringen.

Zum einen ist da ihr Babbo James Joyce. Wer kennt ihn nicht oder hat nicht zumindest schon einmal von Ulysses gehört?
Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2379544James Joyce wurde am 02. Februar 1882 in Dublin als erster Sohn von John Joyce und Mary Jane Murray in Dublin geboren. Er hatte noch zwölf Geschwister, von denen zwei an Typhus verstarben. Obwohl er aus einer wohlhabenden Familie stammt, hat er zeitlebens mit der Armut zu kämpfen. Alkoholkonsum und eine finanzielle Fehlplanung des Vaters stürzte die Joycesche Familie 1893 in die Armut. Im gleichen Jahr konnte James Joyce das von Jesuiten betriebene College in Dublin besuchen. 1898 lehnte er den Katholizismus ab und besuchte ab de Zeitpunkt das University College in Dublin an dem er Sprachen studierte. Nach seinem Abschluss ging er zum Medizin-Studium nach Paris und lebte dort auf Kosten seiner Familie. Als seine Mutter 1903 starb kehrte er nach Dublin zurück.  1904 lernte er seine spätere Frau Nora Barnacle kennen und ging mit ihr nach Triest ins Exil. 1905 wurde dort Giorgio geboren und 1907 Lucia.
1906 vollendete er seine Arbeit an „Dubliners“ und zeitlebens litt er unter Geldnot und lebt auf die Kosten seines Bruders in Triest. Danach befasste er sich mit Ulysses. Nur durch Gönner und Mäzene wie Annabel Abbs es auch in „Die Tänzerin von Paris“ beschreibt, kann die Familie Joyce existieren. Denn die Veröffentlichung von Dubliners zieht sich hin und so reist Joyce 1912 nach Dublin.  Zu Beginn des Ersten Weltkriegs musste er auf seiner englischen Nationalität Triest mit seiner Familie verlassen und zog nach Zürich. Dort blieben sie dann fünf Jahre ehe er 1920 sein Quartier in Paris aufschlug. Dort beendete er an seinem vierzigsten Geburtstag 1922 Ulysses. Nach einer einjährigen Schaffenspause begann er Finnegans Wake, dass bei Annabel Abbs als Buch „Work in Progress“ bezeichnet wurde.
Da Joyce unter einem Augenleiden litt, welches Annabell Abbs immer wieder deutlich machte, ging er in die Schweiz und nahm Lucia mit, die da von Carl Gustav Jung psychiatrisch auf Schizophrenie behandelt wurde.
Nach dem Frankreich 1940 von der deutschen Wehrmacht besetzt wurde, wollte Joyce wieder nach Zürich, aber die Ausreise gestaltete sich als schwierig  und so kam er erst in Dezember wieder in die Schweiz. Am 13. Januar 1941 verstarb Joyce in Zürich an einem perforierten Zwölffingerdarmgeschwür.

Werke von und über James Joyce:

James Joyce – Dubliner
James Joyce – Porträt des Künstlers als junger Mann
James Joyce – Ulysses
James Joyce – Finnegans Wake
Anthony Burgess – Joyce für Jedermann
Richard Ellmann – James Joyce
Friedhelm Rathjen – James Joyce
Stanyslaus Joyce – Meines Bruders Hüter

In „Die Tänzerin von Paris“ lernt Lucia Samuel Beckett kennen und verliebt sich in ihn. Wer ist der junge Literat, der bei den Joyce in Paris ein- und ausgeht,  und wegen dem Lucia den Heiratsantrag von Emile ablehnt?

Von Roger Pic - Bibliothèque nationale de France, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16380835Samuel Beckett wurde am 13. April 1906 in Dublin als zweiter Sohn des protestantischen Ehepaars Bill und Mary Beckett geboren. Die Becketts waren im Gegensatz zu Joyce wohlhabend und lebten auf einen Landsitz. An der traditionsreichen Portora Royal School in Enniskillen, die er seit 1919 besuchte, entwickelte er erste literarische Interessen. 1923 studierte er am Dubliner Trinity College Französisch und Italienisch. Nach der Beendigung seines Studiums ging er 1926 erstmals nach Paris und 1927 nach Italien.  Danach arbeitete er zwei Jahre lang als Englisch-Lektor in Paris. In Paris lernte er dann schließlich auch Joyce kennen. 1930 kehrte er nach Dublin zurück und unterrichtete am Trinity College Französisch. Wie auch Joyce war er ein Reisender und es zog kurz darauf nach Deutschland, dann wieder nach Paris und zurück nach Dublin. Als sein Vater 1933 starb ging er nach London, lebte fortan von dem Geld seiner Mutter und versuchte dort literarisch Fuß zu fassen. Während er an seinem ersten Roman „Murphy“ arbeitete, begann eine Psychoanalyse bei Bion, die ihn in Kontakt mit Carl Gustav Jung brachte, dessen Vorlesungen er besuchte.
1936/37 beschloss er Deutschland noch einmal zu besuchen. Er besuchte Hamburg, Berlin, Dresden und München. In Dresden hatte er noch die Möglichkeit Gemälde von Edvard Munch, Otto Dix und Max Liebermann zu bewundern, was ihn erstaunte, kannte er doch die Einstellung der Nationalsozialisten zu den Juden. In München schließlich wurde das politische Klima für Künstler immer gefährlicher und bekam die gewünschte Literatur nicht mehr.
Nach einem kurzen Abstecher nach Dublin ließ er sich 1937 schließlich in Paris nieder. Ein Grund dafür war seine spätere Ehefrau Suzanne Deschevaux-Dumesnil, eine Pianistin. 1938 wurde schließlich „Murphy“ verlegt. Ende 1940 schloss sich Beckett der Résistance an und als 1942 seine Widerstandszelle an die Gestapo verraten wurde, tauchte er mit Suzanne in Roussillion in Südfrankreich unter. Dort verdingte er sich als Erntehelfer und schrieb den Roman „Watt“.
Nach dem Krieg kehrte er nach Paris zurück und arbeitete als Rote-Kreuz-Helfer. In den Folgejahren gelang ihm dann der Durchbruch. Er schrieb die Romane „Mercier et Camier“, „Molloy“ und „Malone“ und schließlich noch das Theaterstück für das er 1969 den Nobelpreis für Literatur bekam: Warten auf Godot.
Im Alter von 83 Jahren verstarb Samuel Beckett am 22.12.1989 in Paris. Seine letzte Ruhestätte ist der Cimetière du Monteparnasse in Paris.

Werke von und über Samuel Beckett:

Samuel Beckett – Warten auf Godot
Samuel Beckett – Murphy
Samuel Beckett – Drei Romane: Molloy. Malone stirbt. Der Namenlose.
Samuel Beckett, Chris Hirte – Weiter machen ist mehr, als ich tun kann. Briefe 1929-1940
Samuel Beckett, Chris Hirte – Ein Unglück, das man bis zum Ende verteidigen muss. Briefe 1941-1956
Martha Dow Fesenfeldt; Lois More Overbeck – Wünsche dir nicht, dass ich mich ändere. Briefe 1957-1965
Friedhelm Rathjen – Samuel Beckett

Der letzte der drei Männer mit denen es Luzia in „Die Tänzerin von Paris“ von Annabel Abbs zu tun hat ist der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung. Auch ihn möchte ich kurz vorstellen.

Von unknown, upload by Adrian Michael - Ortsmuseum Zollikon, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35027304Carl Gustav Jung wurde am 26. Juli 1875 in Kesswil geboren. Er war Sohn des Pfarrers Johann Jung und seiner Frau Emilie. Nach dem Tod seines Vaters 1896 musste der junge Student für den Unterhalt seiner Mutter und Schwester sorgen. Seit einem Jahr studierte er in Basel Medizin und beschäftigte sich in den frühe Jugendjahren mit dem Spiritismus. Damals wurde der Spiritismus eng mit der Psychiatrie verbunden. Später spezialisierte er sich auf diese. 1903 heiratete er Emma Rauschenbach, die ab 1930 auch als Analytikerin arbeitete. Ihr mit in die Ehe gebrachte Vermögen sicherte die Forschungsarbeit von Jung. Jung stand in stetigen Diskurs mit Freud, ehe Freud ihm 1913 schriftlich die Freundschaft kündigte. Vorausgegangen waren heftige persönliche Vorwürfe von Jung an Freud. Dennoch setzte er sich später immer wieder für Freud ein.
Mit dem Ende der Freundschaft zu Freud hörte er auch mit seiner Lehrtätigkeit auf und begann seine Praxistätigkeit. Die nur durch ausgedehnte Reisen nach Nordamerika, Nordafrika und Ostafrika zu den da jeweils lebenden Indianerstämmen unterbrochen wurde.
Kritisch beobachtet wurde er zu Zeiten des Nationalsozialismus, denn seine Äußerungen zu Juden und den Herrschend war missverständlich. Sehr oft musste er sich rechtfertigen, kein Antisemit zu sein. Seine Äußerungen galten als politisch naiv, unsensibel und opportunistisch.
Carl Gustav Jung starb am 06. Juni 1961 in Küsnacht.

Werke von und über Jung:

Carl Gustav Jung – Erinnerungen, Träume, Gedanken
Carl Gustav Jung – Das rote Buch
Gerhard Wehr – Carl Gustav Jung
Murray Stein – Carl Gustav Jungs Landkarte der Seele

Nun habe ich euch alle drei Männer aus „Die Tänzerin von Paris“ von Annabel Abbs vorgestellt, mit denen es Lucia Joyce zu tun hatte. Alle drei schillernde Persönlichkeiten in ihrem Bereich.

Gewinnspiel:

Ihr könnt ein Exemplar von „Die Tänzerin von Paris“ von Annabel Abbs gewinnen, als Print oder eBook – alles was ihr tun müsst, ist, unter dem Beitrag zu kommentieren wieso ihr euch gerade dieses Buch wünscht.

Teilnahmebedingung:
Ihr seid mindestens 16 Jahre alt, wohnt in Deutschland, der Schweiz oder Österreich und kommentiert unter diesem Beitrag mit eurem Vornamen bis Sonntag, 16. Juli 2017 um 18:00 Uhr. Der Gewinner wird am Montag 17. Juli 2017 mit Vorname auf dem Blog genannt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Persönliche Daten werden nur für das Gewinnspiel verwendet und anschließend gelöscht.

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2 Antworten auf “[Blogspecial Paris] Backgroundinfo zu „Die Tänzerin von Paris“ – James Joyce, Samuel Beckett und Carl Gustav Jung”

  1. Hallo, auch dieses Buch weckt mein Interesse, hört es sich auch sehr spannend an, wie sich eine junge Frau in der damaligen Zeit versucht zu behaupten. LG von Elke H.

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